Staffing - wenn Mitarbeiter ihren Vorgesetzten mobben

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  • Selten wird darüber geredet, aber es kommt häufiger vor als es vermutet wird: Staffing.

    Was ist Staffing

    Staffing ist eine Sonderform des Mobbings. Beim Staffing mobben Mitarbeiter ihren Vorgesetzten. Mitarbeiter also systematisch versuchen, ihren Vorgesetzten zu schikanieren, seelisch zu verletzen und fertig zu machen, um ihn aus ihrem Bereich oder aus dem Unternehmen herauszuekeln.

    Im Wissen um die Vorgesetzteneigenschaften und –befugnisse des Staffing-Opfers, sind mobbende Mitarbeiter meist bemüht, Rückschlüsse auf ihre Person zu vermeiden, und richten ihr Handeln dementsprechend aus.
    Es sind daher beim Staffing weniger offensichtliche Mobbing-Handlungen, sondern eher die dezenten und konspirativen Vorgehensweisen, die dominieren. Es werden Gerüchte gestreut, Intrigen gesponnen, Bündnisse mit Gleichgesinnten gesucht und Seilschaften genutzt, Arbeitsprozesse sabotiert, Ergebnisse manipuliert sowie unprofessionelles Führungsverhalten und Affären des Vorgesetzten angedeutet.

    Ursachen von Staffing

    Die Ursachen für Staffing sind vielfältig und können zum Teil sehr komplex sein, wie zum Beispiel
    • Neid und Missgunst gegenüber dem früheren Kollegen und jetzigen Vorgesetzten
    • Misstrauen gegenüber dem neuen noch unbekannten Vorgesetzten
    • mangelnde Anerkennung der eigenen Leistung
    • autoritäres Führungsverhalten
    • schlechte Arbeitsbedingungen
    • Abwälzen von Führungsfehlern auf die Mitarbeiter
    • fehlende Führungskompetenzen
    • Überforderung, Leistungsdruck und Stress
    • mangelndes Durchsetzungsvermögen des Vorgesetzten
    • ein deutlich jüngerer Vorgesetzter
    • geschlechtliche Unterschiede zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern
    • Unzufriedenheit mit Entscheidungen des Vorgesetzten oder des Unternehmens
    • Veränderungsprozesse
    • Übergangener Führungs- bzw. Stellenanspruch eines Mitarbeiters
    • Mangelnde Akzeptanz aufgrund der regionalen oder fachlichen Herkunft des Vorgesetzten
    • Besitzstandwahrung
    • Konkurrenzangst
    • Vorausgegangene Schikanen des Vorgesetzten
    Wer ist vom Staffing betroffen
    Neben autoritäts-, führungs- und persönlichkeitsschwächeren Vorgesetzten sind besonders Führungskräfte der mittleren Führungsebene vom Staffing betroffen. Nicht selten sind sie noch relativ jung, verfügen meist nur über wenig Berufs-, Lebens- und Führungserfahrungen und kommen aus dem Kreis der eigenen Mitarbeiter oder völlig neu ins Unternehmen.

    Sie befinden sich häufig in einer Situation, in der sie von höheren Stellen Leistungsvorgaben erhalten und starken Leistungsdruck erfahren, sich beweisen wollen und müssen. Zeitgleich sehen sie sich Forderungen, Beschwerden und einer abwartenden, ablehnenden oder konfrontativen Haltung ihrer Mitarbeiter gegenübersehen.

    Sie sind auf die Unterstützung, die Informationen und das Wohlwollen ihrer Vorgesetzten genauso wie auf die Akzeptanz, die Leistungsbereitschaft und die Arbeitsqualität ihrer Mitarbeiter angewiesen.
    Unter einer derartigen Belastung können sich Führungskräfte sehr schnell überfordert, alleingelassen und einsam fühlen. Bewusst oder unbewusst treffen sie unbedachte Entscheidungen, machen verletzende Äußerungen oder vollziehen willkürliche Handlungen, die auf das Verhältnis zu ihren Mitarbeitern erheblich Auswirkungen haben können. Sie verletzen ihre Mitarbeiter, lassen deren Wünsche, Bedürfnisse und Interessen außen vor und verstärken bereits bestehenden Akzeptanzprobleme.

    Ist Staffing tatsächlich ein Problem?
    In statistischen Erhebungen gaben lediglich knapp 2,5 Prozent der Vorgesetzten an, dass sie sich von ihren Mitarbeitern gemobbt fühlen würden. Offen bleibt bei diesen Statistiken jedoch, ob Vorgesetzte Staffing überhaupt wahrnehmen, nicht wahrnehmen wollen, verschweigen oder Staffing bei ihnen einfach nicht wirkt.

    Bei der Einschätzung, ob sich ein Vorgesetzter als ein Staffing-Opfer fühlt oder nicht, hängt wesentlich von den persönlichen Empfindungen des Betroffenen ab.

    Zudem ersticken Staffing-Versuche häufig bereits im Ansatz und verfehlen deshalb ihre Wirkung, da Vorgesetzte sich seltener von ihren Mitarbeitern schikanieren lassen und aufgrund ihrer Stellung über weitreichende Möglichkeiten verfügen, um sich gegen Staffing wehren zu können.
    Bei der Betrachtung des Phänomens darf aber nicht vernachlässigt werden, dass Vorgesetzte aus Angst ihr Gesicht, ihre Autorität und möglicherweise sogar ihre Stellung zu verlieren, selten zugeben werden, von Staffing betroffen zu sein.
    Insbesondere der zuletzt genannte Aspekt sollte nicht unterschätzt werden und lässt auf eine Dunkelziffer schließen, die deutlich über den statistischen Werten liegen dürfte.

    Gefahren und Folgen von Staffing

    Staffing richtet sich meist vordergründig nur gegen den direkten Vorgesetzten. Tatsächlich kann es jedoch auch sein, dass das eigentliche Ziel des Staffings der nächsthöhere Vorgesetzte, mehrere Vorgesetzte, die Unternehmensleitung oder das Unternehmen als solches ist.
    Genauso wie Mobbing oder Bossing (= Vorgesetzte mobben Mitarbeiter) kann Staffing erhebliche Auswirkungen für die Betroffenen haben. Staffing führt oftmals zu seelischen Verletzungen bis hin zu physischen Folgeerkrankungen. Betroffene fühlen sich einsam und alleingelassen, sie können depressiv werden und zunehmend unter Angsterkrankungen leiden. Die Leistungsbereitschaft und –fähigkeit lassen deutlich nach, die Betroffenen sind verunsichert, teils sogar regelrecht verängstigt und ziehen sich immer mehr zurück. Die Fehlerhäufigkeit steigt, es kommt zu langfristigen krankheitsbedingten Fehlzeiten, zur inneren oder tatsächlichen Kündigung oder dauerhaften Arbeitsunfähigkeit.
    Auch für das gesamte Unternehmen kann Staffing erhebliche nachteilige Auswirkungen haben. Durch
    • Produktionsstörungen
    • Qualitätsdefizite
    • langfristige Personalausfälle
    • Aufwendungen für Aushilfen
    • Abfindungen
    • Neueinstellungen und damit verbundene Personalfindungs- und Personalauswahlverfahren
    • Einarbeitungszeiten
    • Verlust von qualifizierten Mitarbeitern und Know-how
    • Beeinträchtigungen des Betriebsklimas
    • Ansehensschäden
    entstehen dem Unternehmen nicht zu unterschätzende direkte und indirekte Schäden und Kosten.


    Zwischen typischem Mitarbeiterverhalten und Staffing differenzieren
    Nicht jede Stichelei, Unmutsäußerung, kränkende Bemerkung, mangelnde Arbeitsbereitschaft oder Distanz gegenüber einem Vorgesetzten bedeuten gleichzeitig einen Staffing-Versuch.

    Mitarbeiter testen regelmäßig bewusst oder unbewusst immer wieder ihre Grenzen aus. Sie wollen wissen, wie weit sie gehen können (z. B. um ihre Komfortzone oder ihren eigenen Machtanspruch zu wahren oder auszubauen), bevor sie von ihrem Vorgesetzen in ihre Schranken gewiesen werden.

    Mitarbeiter sind Menschen und keine Maschinen. Sie haben auch einmal einen schlechten Tag, private Sorgen oder einfach nur kein Lust auf eine bestimmte Tätigkeit. Nicht wenige Mitarbeiter sind im Umgang mit anderen Menschen – und Vorgesetzte sind davon nicht unbedingt ausgenommen – sehr direkt und dadurch schnell verletzend. Andere hingegen scheuen das persönliche Gespräch mit einem Vorgesetzten und reden umso lieber hinter dem Rücken des Vorgesetzten.

    Macht macht einsam

    Sie mögen ein von Ihren Mitarbeitern noch so gern gesehener und geschätzter Vorgesetzter sein, Ihre Mitarbeiter wollen aber auch einmal unter sich sein, Ihnen einen von den Mitarbeitern zu verantwortenden Fehler nicht gleich unter die Nase binden, allgemeinem Mitarbeiter-Klatsch und –Tratsch frönen oder auch einmal kräftig über Sie meckern, wenn Sie eine unpopuläre Entscheidung getroffen haben.

    In der Ruhe liegt die Kraft

    Es ist daher wichtig, dass Sie sehr genau zwischen häufig anzutreffendem Mitarbeiterverhalten und Staffing differenzieren.
    Jedes Fehlverhalten eines Mitarbeiters sofort als einen Staffing-Versuch zu bewerten wäre genauso fehl am Platz wie ein völliges Ignorieren deutlicher Staffing-Anzeichen.

    Die ersten Schritte bei Staffing

    Nehmen Sie sich daher die erforderliche Zeit und Ruhe, um die Einzelsituation, die Gesamtumstände und das Verhalten einzelner oder aller Teammitglieder zu analysieren. Machen Sie sich dabei bewusst, dass es nicht einfach ist, Staffing-Versuche zu erkennen, aber auch, dass Meinungsverschiedenheiten und Konflikte zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern immer wieder vorkommen können.
    Wenn Sie glauben, Anhaltspunkte für Staffing erkannt zu haben, handeln Sie dennoch nicht übereilt. Halten Sie sich auch mit den Begriffen Staffing, Mobbing o. ä. zurück. Befindet sich der Vorwurf des Staffings erst einmal im Raum und stellt sich im Nachhinein als falsch heraus, ist der Scherbenhaufen groß.

    Tipps für Staffing-Betroffene

    Reflektieren Sie zunächst auch Ihr eigenes Verhalten und suchen Sie das Gespräch mit einer Person Ihres Vertrauens oder einem professionellen Berater. Bitten Sie sie um Rat und Hilfe und seien Sie bereit, sich helfen zu lassen.

    Nichts einreißen lassen

    Als Vorgesetzter brauchen Sie ein dickes Fell und sollten nicht auf jede Unmutsäußerung oder kleinste Fehler übersensibel reagieren. Lassen Sie jedoch auch nichts einreißen. Respektlosigkeiten, Schikanen und Nachlässigkeiten dürfen Sie als Vorsetzter nicht hinnehmen. Sie sollten sie weder gegen Ihre Mitarbeiter, ihr Unternehmen und ihre Kunden noch gegen Sie selbst gerichtet dulden.
    Seien Sie nachsichtig bei Fehlern, denn Sie sind für den Erfolg unentbehrlich. Wenn Sie jedoch schlechtes Verhalten Ihrer Mitarbeiter tolerieren, zeigt sich darin Ihre eigene Unzulänglichkeit. Seien Sie deshalb bei schlechtem Benehmen konsequent und unnachgiebig.

    Zeigen Sie Stärke

    Lassen Sie sich nicht in die Enge drängen, sondern demonstrieren Sie Stärke. Häufig gibt es nur ein oder zwei treibende Mitarbeiter, die die anderen mitreißen oder sogar instrumentalisieren. Vielfach haben die meisten Mitarbeiter gar nichts gegen ihren Vorgesetzten, geraten aber in gruppendynamische Prozesse oder haben Angst davor, selbst zum Mobbing-Opfer zu werden.
    Stärke hat dabei nicht zwangsläufig etwas mit animalischem Machtgehabe zu tun. Sie sollten vielmehr durch professionelles, geradliniges, ehrliches und konsequentes Führungsverhalten unmissverständlich klar machen, dass Sie derjenige sind, der führt.

    An sich selbst arbeiten

    Stärken Sie Ihre Führungspersönlichkeit und entwickeln Sie Ihre Führungskompetenzen kontinuierlich weiter, in dem Sie zu allen wichtigen Führungsbereichen, insbesondere zur Mitarbeiterführung, Mitarbeitermotivation und Konfliktlösung regelmäßig etwas lesen, Seminare und Trainings besuchen, sich mit anderen Führungskräften austauschen oder auch sich professionell beraten oder coachen lassen.
    Wenn Sie nur jeden Tag eine Stunde zusätzlich an sich und an der Lösung der Situation arbeiten, werden Sie zunehmend selbstbewusster, kompetenter und handlungssouveräner.

    Reden und zuhören

    Ein klärendes Gespräch hat in der Mitarbeiterführung schon Wunder bewirkt. Suchen Sie mit allen Ihren Mitarbeitern regelmäßig – auch fallunabhängig – das Einzelgespräch. Sie können sich so gegenseitig besser kennen und schätzen lernen, mehr über die Wünsche, Bedürfnisse und Interessen Ihrer Mitarbeiter erfahren, frühzeitig Problemfelder erkennen und auch feststellen, dass es durchaus Ihnen wohlgesinnte Mitarbeiter gibt.
    Sprechen Sie gezielt mit den staffenden Mitarbeitern und wenn diese nicht auszumachen sein sollten mit Ihrem gesamten Team. Sagen Sie ihnen, was ihnen aufgefallen ist, ohne ihre Mitarbeiter dabei anzugreifen, klären Sie die Ursachen, versuchen Sie eine gemeinsame Lösungen zu finden, gemeinsame Vereinbarungen zu treffen und diese auch konsequent umzusetzen.
    Klären Sie Missverständnisse, hinterfragen Sie, warum sich der Mitarbeiter Ihnen gegenüber unverschämt verhalten, Sie falsch informiert oder er seine Aufgaben nicht weisungsgemäß erledigt hat – und hören Sie ihm dabei aufmerksam zu. Versuchen Sie herauszubekommen, was den Mitarbeiter dazu bewogen hat und was er durch sein Verhalten bezwecken wollte.
    Zeigen Sie uneinsichtigen und weiterhin staffenden Mitarbeitern ihre Grenzen und eventuelle Folgen sehr deutlich auf und seien Sie dann auch konsequent.

    Gerechtfertigte Kritik annehmen

    Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihnen Mitarbeiter vermeintliche oder tatsächliche Fehler vorwerfen. Rechtfertigen Sie sich dann nicht, sondern überdenken Sie bei gerechtfertigter Kritik Ihr eigenes Verhalten und ändern Sie es gegebenenfalls.

    Tagebuch führen

    Dokumentieren Sie für sich die Vorfälle. Vordergründig soll Ihnen das die Möglichkeit geben, sich noch einmal mit der Situation, den Beteiligten und sich selbst auseinanderzusetzen, Zusammenhänge und Fehler zu erkennen und Lösungsansätze zu finden.
    Zudem erleichtert Ihnen ein Tagebuch die Geschehnisse im Bedarfsfall nachvollziehbar darzulegen.

    Gespräch mit Ihrem Vorgesetzen

    Sollten Sie die Situation allein nicht in den Griff bekommen, schildern Sie Ihrem Vorgesetzten in einem vertraulichen Vieraugengespräch die Geschehnisse und bitten Sie ihn um Rat und Unterstützung.
    Sofern es die Umstände nicht zwingend erforderlich machen, sollte daraus nicht gleich ein offizieller Akt gemacht werden. Häufig werden Ihnen allein das Gespräch, die für den Bedarfsfall zugesagte Unterstützung, eventuelle personelle Veränderung oder arbeitsrechtliche Schritte den Rücken gewaltig stärken.
    Inwieweit Ihr Vorgesetzter aktiv ins Geschehen eingreift, sollten Sie fallabhängig mit ihm gemeinsam beraten und entscheiden. Ihrem Führungsanspruch gegenüber Ihren Mitarbeitern wird es eher zuträglich sein, wenn Sie das Heft möglichst lange selbst in der Hand behalten.

    Werden Sie nicht selbst zum Mobber

    So sehr es auch naheliegend und menschlich nachvollziehbar sein mag, sollten Sie nicht selbst versuchen, andere zu Schikanieren und ins Abseits zu stellen.
    Das Prinzip „Haust Du meinen Kasper, haue ich Deinen Kasper“ führt regelmäßig zu einer Eskalation des Konflikts und Sie würden sich genauso schändlich verhalten wie Ihre Widersacher.

    Am Ball bleiben

    Belassen Sie es nicht bei einem Gespräch. Haben Sie ein Ohr am Geschehen und versuchen Sie weiter Missverständnisse zu klären, Vorbehalte abzubauen und einen gemeinsamen Weg zu gehen.

    Wenn es gar nicht mehr geht

    Stecken Sie bitte nicht den Kopf in den Sand oder lassen Sie sich fertig machen. Suchen Sie frühzeitig Rat und Hilfe. Werfen Sie nicht gleich das Handtuch, aber lassen Sie es auch nicht soweit kommen, dass Sie ernsthaft seelisch oder körperlich erkranken. Sollten Sie innerhalb Ihres Verantwortungsbereiches oder Ihres Unternehmens keine Möglichkeiten finden, Staffing zu begegnen, denken Sie immer daran, dass Sie selbst auch die Reißleine ziehen und als freier Mensch eigenverantwortlich darüber entscheiden können, sich eine andere, sie erfüllende Aufgabe zu suchen und übernehmen zu können.


    Wird Ihre nachgeordnete Führungskraft gemobbt?
    Sobald Sie Anzeichen dafür wahrnehmen sollten, dass eine Ihrer nachgeordneten Führungskräfte gemobbt werden könnte, sollten Sie zeitnah der Sache nachgehen.

    Zunächst ist es wichtig, wie bereits in >>Teil 3 beschrieben, vorzugehen, Ihre Vermutungen zu überprüfen und zwischen typischem Mitarbeiterverhalten und tatsächlichem Staffing zu differenzieren.
    Sollten sich Ihre Vermutungen bestätigen oder nicht ausräumen lassen, sollten Sie aktiv werden.

    Gespräch mit dem Staffing-Betroffenen

    Suchen das Gespräch mit Ihrer Führungskraft. Gehen Sie dabei sensibel vor. Für Führungskräfte ist es häufig nicht leicht, sich eigene Schwächen und Probleme einzugestehen, sich anderen gegenüber zu öffnen und um Rat und Hilfe zu bitten. Die aktuellen Ereignisse können sie zudem bereits an sich selbst zweifeln lassen, Versagens- und Existenzängste bei ihr schüren und auch das Vertrauen in andere Personen hat schwinden lassen.
    Sollte sich Ihre Führungskraft nicht von allein öffnen, schildern Sie ihr Ihre eigenen Beobachtungen und versuchen Sie so mit ihr ins Gespräch zu kommen, die Umstände zu klären und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen.

    Mit Bedacht vorgehen

    Überlegen Sie dabei gemeinsam sehr genau, ob und inwieweit Ihre Führungskraft mit Ihrer oder andererweitiger Unterstützung der Situation allein Herr werden kann.
    Für das Selbstvertrauen und Weiterentwicklung der Führungspersönlichkeit und –kompetenzen einer Führungskraft sowie die zukünftige Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern kann es hilfreich sein, der Führungskraft den Rücken zu stärken und beratend zu begleiten, sich selbst als Vorgesetzter jedoch nach außen hin bedeckt zu halten.

    Wann Sie aktiv ins Geschehen eingreifen müssen

    In Fällen, in denen sich zum Beispiel die betroffene Führungskraft überfordert fühlt oder ist, deutliche Signale an die Mitarbeiter erforderlich sind, personelle und arbeitsrechtliche Konsequenzen unumgänglich sind oder die Einbeziehung der Unternehmensleitung oder anderer Dritter angebracht ist, sollten und müssen Sie selbst aktiv werden.

    Denkbare Maßnahmen wären die Veranlassung einer personen- und situationsangemessenen Unterstützung oder auch Betreuung der betroffenen Führungskraft, Einzel- oder auch Gruppengespräche mit den Mitarbeitern, die Einleitung geeigneter Konfliktslösungsprozesse, die Hinzuziehung interner oder externer Vertrauenspersonen oder Berater, die Einleitung personeller oder arbeitsrechtlicher Schritte u. ä.
    Besonders bei schwerwiegenden Fällen kann eine professionelle Unterstützung zum Beispiel im Rahmen einer Konfliktberatung, Konfliktmoderation oder Wirtschaftsmediation bzw. einer psychologischen Betreuung des Staffing-Betroffenen gegenüber gut gemeinten aber nicht immer zielführenden Eigenversuchen die bessere Wahl sein.

    Ihre Führungskräfte schützen und stärken

    Als Vorgesetzter ist es unter anderem ihre Aufgabe Schwächere zu schützen. Das gilt auch für ihre Führungskräfte. Lassen Sie sie niemals allein, wenn Sie Ihre Hilfe benötigen. Stärken Sie ihnen den Rücken, helfen Sie ihnen dabei eigene Schwächen und Fehler zu erkennen und ihre Führungspersönlichkeiten und Führungskompetenzen auszubauen. Unterstützen Sie sie dabei den Konflikte zu lösen und mit ihren Mitarbeitern ein schlagkräftiges Team zu bilden.

    Mobbing, Bossing und Staffing sind keine Kavaliersdelikte

    Bedenken Sie immer, dass Mobbing, Bossing und Staffing weitreichende Folgen für die Betroffen und das Unternehmen haben kann. Sollte sich das Staffing-Problem auf einem einvernehmlichen Weg nicht lösen lassen, sollten und müssen Sie auch über arbeitsrechtliche Konsequenzen nachdenken und diese auch umsetzen. Sie laufen sonst Gefahr, dass Ihnen das Heft aus der Hand genommen wird, das Ganze Ihnen aus dem Ruder läuft und es schwerwiegende Auswirkungen haben kann.

    …wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist

    Sofern alle anderen Maßnahmen nicht greifen, kann es auch erforderlich werden, im Rahmen der Fürsorge der betroffenen Führungskraft in Absprache mit ihr einen neuen Aufgabenbereich zuzuweisen oder sie auch psychologisch unterstützen zu lassen.

    Nicht aus den Augen verlieren

    Auch wenn sich die Situation wieder entspannen sollte, halten Sie engen Kontakt mit Ihrer Führungskraft, beobachten Sie die weiteren Entwicklungen und unterstützen Sie Ihre Führungskraft und ihre Mitarbeiter dabei, einen gemeinsamen Weg zu finden und zu gehen.

    Staffing vorbeugen

    Mobbing, Bossing und Staffing werden sich sicherlich nie gänzlich vermeiden lassen. Ihre Ursachen liegen jedoch häufig im Unternehmen selbst. In einem Klima von Neid, fehlender Anerkennung, Frust, schlechten Arbeitsbedingungen, großer Distanz, autoritärem und abfälligem Führungsgehabe, schlechter Kommunikation und Überforderung finden Mobbing, Bossing und Staffing ihren Nährboden.

    Wohlfühlklima

    In Unternehmen, in denen der Mitarbeiter als Mensch gesehen und behandelt wird, gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung einen hohen Stellenwert haben, die Bedürfnisse, Wünsche und Interessen der Mitarbeiter Beachtung und Berücksichtigung finden, faire Arbeitsbedingungen bestehen, ein gutes Betriebsklima herrscht und Unternehmenswerte nicht nur niedergeschrieben, sondern auch hochgehalten und vorgelebt werden, werden die Gefahren für Mobbing aller Art deutlich eingedämmt.

    Professionelle Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation

    Eine besondere Bedeutung kommt auch einer professionellen Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation zu. Führungskräfte sollten sich selbst, aber auch vom Unternehmen unterstützt auf ihre Führungsaufgabe vorbereiten. Eine starke Führungspersönlichkeit und weitreichende Führungskompetenzen lasen Staffing-Versuche in der Regel gar nicht erst aufkommen bzw. lassen sie schnell im Keim ersticken.

    Führungswechsel gut vorbereiten

    Bei der Neubesetzung von Führungspositionen sollten die Entscheidung transparent und sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter auf den Führungswechsel vorbereitet werden.
    Vorgesetzten und Mitarbeitern sollte gerade in der Anfangsphase ihres gemeinsamen Wirkens genügend Raum und Zeit gegeben werden, um sich kennenzulernen. Aber auch in der Folgezeit sind eine offene und ehrliche Kommunikation, gegenseitige Wertschätzung, Anerkennung und ein fairer Umgang miteinander ein Bollwerk gegen Staffing.

    Sich offen gegen Mobbing, Bossing und Staffing stellen

    Führungsverantwortliche sollten zudem durch Worte und Taten unmissverständlich zum Ausdruck bringen, dass weder Mobbing, Bossing noch Staffing geduldet werden und entsprechenden Fällen mit aller Konsequenz entgegengetreten wird.
    Auch beim Staffing gilt: Vorbeugen ist immer besser als heilen!


    Quelle: mitarbeiterfuehrung-online
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